Die Teegesellschaft, die auf den letzten Gast wartete

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Im Dorf Lindenhain wusste jeder, dass man nach Mitternacht nicht am alten Haus auf dem Hügel vorbeigehen sollte. Nicht weil dort etwas Gefährliches lauerte.Das Problem war, dass man eingeladen werden konnte.Jeden Abend, sobald der Mond über dem Apfelbaum stand, leuchteten die Fenster des seit achtzig Jahren verlassenen Hauses auf. Im Garten erschien ein Holztisch mit weißer Spitzendecke, Teetassen und einem Kuchen, von dem niemals ein Stück fehlte. Dann kamen die Bewohner des Hauses heraus. Herr Albrecht setzte sich an das linke Tischende, seine Frau Mathilde nahm ihr Buch,Doktor Fenwick wählte den Stuhl rechts, und Clara schenkte Tee ein. Alle vier waren durchsichtig und schimmerten bläulich im Mondlicht. Unter dem Tisch schlief ein weißer Hund. Er hieß Milo. Und im Gegensatz zu den anderen war Milo durchaus lebendig. Niemand im Dorf wusste, woher er kam. Vor drei Jahren war er eines Morgens vor der Bäckerei aufgetaucht. Seitdem verbrachte er die Tage im Dorf und verschwand jeden Abend kurz vor Mitternacht auf dem Hügel. Die Bäckerin hatte einmal versucht, ihm zu folgen. Als sie den Garten erreichte, hatte Clara gerade eine fünfte Tasse auf den Tisch gestellt. „Für Sie?“, hatte sie freundlich gefragt. Die Bäckerin war so schnell davongelaufen, dass sie einen Schuh verlor. Seitdem ließ man Milo allein gehen. Eines Herbstabends folgte ihm dennoch jemand. Der zwölfjährige Emil hatte keine Angst vor Geistern. Zumindest behauptete er das. Außerdem wollte er wissen, warum Milo jede Nacht zurückkehrte. Er wartete hinter der Steinmauer, bis der Hund den Hügel hinauflief, und schlich hinterher. Punkt Mitternacht flammten die Fenster auf. Glühwürmchen erschienen im Garten, obwohl es längst zu kalt für sie war.Herr Albrecht saß bereits am Tisch. „Clara“, sagte er, „wir brauchen heute wieder fünf Tassen.“ „Wir brauchen immer fünf Tassen“, erwiderte sie. Der Gast könnte kommen.“ Emil duckte sich hinter einen Busch. Milo kroch unter den Tisch und legte den Kopf auf die Pfoten. Mathilde öffnete ihr Buch. „Seite zweihundertsiebenunddreißig“, sagte sie. „Dort waren wir gestern.“ Dort sind wir seit achtzig Jahren“, bemerkte Fenwick. Clara schenkte Tee in die fünfte Tasse. Der Stuhl davor blieb leer. Emil bewegte sich näher. Ein Ast knackte unter seinem Fuß. Vier durchsichtige Köpfe drehten sich zu ihm. Milo öffnete ein Auge.„Ah“, sagte Herr Albrecht. „Der Gast.“ „Nein“, sagte Mathilde. „Zu jung.“ Emil überlegte, ob Weglaufen doch eine gute Idee wäre. Clara lächelte. „Wenn du schon da bist, kannst du dich setzen.“ „Bin ich danach auch ein Geist?“ fragte Emil. Fenwick betrachtete ihn. „Nicht wegen des Tees.“ „Wegen des Kuchens?“ „Clara, was hast du in den Kuchen getan?“ – „Nichts.“ Emil setzte sich vorsichtig auf den freien Stuhl. Die Tasse vor ihm war warm.„Auf wen wartet ihr?“ Die vier Geister wurden still. Schließlich zeigte Mathilde auf Milo. Auf seinen Herrn.“ Emil sah zum Hund. „Milo gehört jemandem?“

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