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Artistinclude a very small stylized full-body white unicorn logo with delicate proportions and the text “AI by Unicorngraphics” beneath it in the bottom right corner.
Der Irrtum des Todes
Jonas wusste später nicht mehr, ob er in jener Nacht wirklich wach gewesen war oder ob das Fieber ihm einen besonders seltsamen Traum geschenkt hatte. Er erinnerte sich nur an das Mondlicht, das durch sein Fenster fiel, an die kleine Lampe auf dem Nachttisch und daran, dass ihm plötzlich nicht mehr kalt war. Seit Tagen hatte er hohes Fieber gehabt. Seine Mutter saß fast jede Nacht an seinem Bett, doch irgendwann musste auch sie eingeschlafen sein. Das Haus war vollkommen still, als Jonas ein leises Geräusch hörte. Kein Knarren der Treppe und kein Rascheln des Vorhangs. Es klang eher wie das vorsichtige Auftippen eines langen Holzstabes auf dem Fußboden. Jonas öffnete die Augen. Vor dem Fenster stand eine hohe Gestalt in einem schwarzen Mantel. Unter der Kapuze schimmerte ein bleiches Totenschädelgesicht, und in einer knochigen Hand hielt der Fremde eine gewaltige Sense. Jonas wollte schreien, doch seine Stimme gehorchte ihm nicht. Die Gestalt trat einen Schritt näher, blieb stehen und sah auf das Kind hinunter. Dann geschah etwas Merkwürdiges. Der Tod hob abwehrend die freie Hand. „Nein, nein“, sagte er hastig. „Bitte keine Angst.“ Jonas blinzelte. So hatte er sich den Tod nicht vorgestellt. Vor allem hatte er nicht erwartet, dass der Tod verlegen klingen konnte. „Bist du gekommen, um mich zu holen?“, flüsterte er. Der Tod senkte den Kopf und schien für einen Augenblick noch kleiner werden zu wollen, obwohl er beinahe bis zur Zimmerdecke reichte. „Deswegen bin ich hier“, antwortete er. „Aber ich hätte nicht kommen dürfen.“ Er griff in die Falten seines Mantels und zog ein kleines schwarzes Buch hervor. Mit einem knochigen Finger fuhr er über eine Seite, schüttelte den Kopf und murmelte etwas, das Jonas nicht verstand. Schließlich klappte er das Buch zu. „Ein Irrtum“, sagte er. „Ein wirklich ausgesprochen peinlicher Irrtum.“ Jonas starrte ihn an. „Der Tod macht Fehler?“ „Sehr selten“, erwiderte die Gestalt würdevoll. Dann fügte sie leiser hinzu: „Aber offenbar nicht selten genug.“ Zum ersten Mal seit Tagen musste Jonas lächeln. Der Tod stellte seine Sense an die Wand und setzte sich vorsichtig auf die Bettkante. Das Bettgestell knarrte empört. „Hör mir gut zu, kleiner Freund. Du wirst wieder gesund. Nicht morgen und vielleicht auch nicht übermorgen. Aber bald. Du wirst wieder draußen herumlaufen, dir die Knie aufschlagen, Dinge tun, von denen deine Mutter ausdrücklich gesagt hat, dass du sie nicht tun sollst, und vermutlich viel zu lange wach bleiben.“ „Woher weißt du das?“ Der Tod deutete auf sein schwarzes Buch. „Weil deine Seite noch sehr, sehr lang ist.“ Jonas schwieg eine Weile. „Wie lang?“ „Das darf ich nicht verraten.“ „Achtzig?“ Der Tod schwieg. „Neunzig?“ Unter der Kapuze schien etwas wie ein Lächeln aufzublitzen. „Schlaf jetzt.“ Er legte zwei knochige Finger ganz vorsichtig auf Jonas’ Stirn. Sie waren überraschend kühl und angenehm.